Erziehungsberatung bei Trennung der Eltern

Erziehungsberatung bei Trennung der Eltern

1.

Aus­gangs­si­tua­ti­on

Tren­nung und Schei­dung von Eltern stel­len hohe Anfor­de­run­gen an die Betei­lig­ten und kön­nen für die betrof­fe­nen Kin­der ein erhöh­tes Risi­ko für ihre Ent­wick­lun­gen zur Fol­ge haben. Dabei ist eine nega­ti­ve Ent­wick­lung der Kin­der weder zwin­gend noch über­wie­gend gegeben.

Abbil­dung 1 zeigt ein Modell der Belas­tun­gen und Anpas­sun­gen von Kin­dern nach einer Tren­nung der Eltern in Anleh­nung an die Selek­ti­ons- und Tren­nungs-Stress-Bewäl­ti­gungs­per­spek­ti­ve (Ama­to, 2000, S. 1271; Wal­per, 2003, S. 153; Wal­per & Brö­ning, 2008, S. 575). Das Modell berück­sich­tigt auch die Fami­li­en­be­zie­hun­gen und damit die Ent­wick­lungs­be­din­gun­gen von Kin­dern vor einer Tren­nung damit die Ursa­chen einer Tren­nung im Bera­tungs­pro­zess ver­stan­den und die Kon­se­quen­zen für die ehe­ma­li­gen Part­ner und Kin­der bes­ser abge­schätzt wer­den können.

Abbil­dung 1: Modell der Belas­tung und Anpas­sun­gen von Kin­dern nach einer Tren­nung der Eltern

Die human­wis­sen­schaft­li­che For­schung konn­te nach­wei­sen, dass die Erzie­hungs­be­ra­tung bei Tren­nung und Schei­dung einen wert­vol­len Bei­trag zum Kin­des­wohl leis­ten kann (Bacon & McKen­zie, 2004, S. 95–96; Eme­ry, Lau­mann-Bil­lings, Wald­ron, Sbar­ra & Dil­lon, 2001, S. 330–331; Kel­ly, 2000, S. 971–972; Kel­ly & Eme­ry, 2003, S. 360; McIn­tosh, 2006, S. 32–34; McIn­tosh & Deacon-Wood, 2003, S. 192–193; McIn­tosh & Long, 2006, S. 60; Thoe­nes & Pear­son, 1999, S. 214–217; White­si­de, 1998, S. 3; Wolch­nik, San­der, Winslow & Smith-Dani­els, 2005, S. 77).

2.

Recht­li­che Grund­la­gen der Erzie­hungs­be­ra­tung bei Tren­nung und Scheidung

2.1

Inhalt­li­che Abgren­zung der §§ 17, 18 und 28 SGB VIII

Die „Bera­tung in Fra­gen der Part­ner­schaft, Tren­nung und Schei­dung“ nach § 17 SGB VIII und die „Bera­tung und Unter­stüt­zung bei der Aus­übung der Per­so­nen­sor­ge und des Umgangs­rechts“ nach § 18 SGB VIII sind gemäß § 2 Abs. 2 und Abs. 3 SGB VIII eine Leis­tung der Jugend­hil­fe zuguns­ten jun­ger Men­schen und Fami­li­en. Es ist ein Ange­bot zur För­de­rung der Erzie­hung in der Familie.

Die Erzie­hungs­be­ra­tung kann nicht nur als „Hil­fe zur Erzie­hung“ nach § 28 SGB VIII, son­dern auch, wenn nach einer Tren­nung oder Schei­dung „die Bedin­gun­gen für eine dem Wohl des Kin­des oder Jugend­li­chen för­der­li­che Wahr­neh­mung der Eltern­ver­ant­wor­tung“ erfor­der­lich ist und mit Unter­stüt­zung von Bera­tung nach § 17 Abs. 2 SGB VIII ein „Kon­zept für die Wahr­neh­mung der elter­li­chen Sor­ge und der elter­li­chen Ver­ant­wor­tung“ ent­wi­ckelt wer­den soll, als Leis­tung emp­fan­gen wer­den. Zeit­lich nach­ge­la­gert kann auch bei der „Aus­übung der Per­so­nen­sor­ge und des Umgangs­rechts“ bei den Eltern Bedarf zur Bera­tung nach § 18 Abs. 1 und Abs. 3 SGB VIII ent­ste­hen (Bun­des­kon­fe­renz für Erzie­hungs­be­ra­tung, 2012, S. 483).

Aus einer ganz­heit­li­chen Pro­blem­sicht im Zusam­men­hang mit Tren­nung und Schei­dung von Eltern erge­ben sich Über­schnei­dun­gen bei Bera­tun­gen nach § 17 SGB VIII und § 28 SGB VIII sowie nach § 18 SGB VIII und § 28 SGB VIII. Der gesetz­li­che Auf­trag „Kon­flik­te und Kri­sen in der Fami­lie zu bewäl­ti­gen“ (§ 17 Abs. 1 Nr. 2 SGB VIII) und „im Fal­le der Tren­nung oder Schei­dung die Bedin­gun­gen für eine dem Wohl des Kin­des oder des Jugend­li­chen för­der­li­che Wahr­neh­mung der Eltern­ver­ant­wor­tung zu schaf­fen“ (§17 Abs. 1 Nr. 3 SGB VIII) ist von einer „Klä­rung und Bewäl­ti­gung indi­vi­du­el­ler und fami­li­en­be­zo­ge­ner Pro­ble­me“ (§ 28 Abs. Satz 1 SGB VIII) inhalt­lich nicht zu unter­schei­den. Auch die Bera­tung allein­er­zie­hen­der Eltern „bei der Aus­übung der Per­so­nen­sor­ge“ (§ 18 Abs. 1 SGB VIII) und „bei der Aus­übung des Umgangs­rech­tes“ (§ 18 Abs. 3 SGB VIII) über­schnei­det sich mit den Auf­ga­ben aus § 28 SGB VIII. „Es hat sich daher ein­ge­bür­gert von den §§ 17, 18 und 28 SGB VIII als den Rechts­grund­la­gen für die Ein­zel­be­ra­tung in der Erzie­hungs­be­ra­tung zu spre­chen (DST; AGJ 1995)“ (Men­ne, 2016, S. 13, sie­he auch: Coes­ter, 2003, S. 82).

Zur Erzie­hungs­be­ra­tung nach § 28 SGB VIII gehört ori­gi­när auch die Unter­stüt­zung „bei Tren­nung und Schei­dung“. In der Pra­xis wird es daher häu­fig zu einer Unter­stüt­zung bei die­ser fami­liä­ren Pro­blem­la­ge auf der Grund­la­ge von § 28 SGB VIII und gleich­zei­tig einer Unter­stüt­zung zur Wahr­neh­mung der elter­li­chen Sor­ge nach § 17 Abs. 1 Nr. 3 und Abs. 2 SGB VIII kom­men (Bun­des­kon­fe­renz für Erzie­hungs­be­ra­tung, 2009, S. 18). „In der Mehr­zahl der Bera­tun­gen nach § 17, die in einer Erzie­hungs­be­ra­tungs­stel­le erfol­gen, wer­den zugleich Leis­tun­gen nach § 28 erfor­der­lich. Die Schaf­fung von Bedin­gun­gen zur för­der­li­chen Wahr­neh­mung der Eltern­ver­ant­wor­tung (Abs. 1 Nr. 3) bzw. die Ent­wick­lung ein­ver­nehm­li­cher Kon­zep­te (Abs. 2) erfolgt par­al­lel zur Klä­rung und Bewäl­ti­gung fami­lia­ler Pro­ble­me (§ 28), sowie in Form der (par­ti­el­len) Bear­bei­tung des einer Tren­nung zugrun­de lie­gen­den Paar­kon­flikts als auch in Form der the­ra­peu­ti­schen Hil­fe für die betrof­fe­nen Kin­der“ (Wies­ner, 2015, S. 313).

Die in § 18 SGB VIII gere­gel­ten Bera­tungs­leis­tun­gen ste­hen in einem engen inhalt­li­chen und zeit­li­chen Zusam­men­hang mit der Bera­tung in Fra­gen der Part­ner­schaft, Tren­nung und Schei­dung nach § 17 SGB VIII. „Trotz fach­li­cher Bera­tung und/oder gericht­li­cher Ent­schei­dung über das Sor­ge­recht ist die Kon­flikt­si­tua­ti­on auf der Paare­be­ne in vie­len Fäl­len noch nicht ver­ar­bei­tet und bewäl­tigt. Es kommt daher in der Fol­ge der Tren­nung und Schei­dung häu­fig zu Aus­ein­an­der­set­zun­gen bei der Aus­übung des Per­so­nen­sor­ge­rechts, der Gestal­tung des Umgangs und der Gewäh­rung des Unter­halts. § 18 setzt des­halb das Bera­tungs­an­ge­bot für die nach der Tren­nung und Schei­dung fol­gen­den Pha­sen der Eltern­schaft fort“ (Wiesner/Struck, 2015. S. 332).

18 Abs. 1 SGB VIII räumt Eltern, die allei­ne für ein Kind oder Jugend­li­chen zu sor­gen haben oder tat­säch­lich sor­gen, einen Anspruch auf Bera­tung „bei der Aus­übung der Per­so­nen­sor­ge“ ein. Wesent­li­cher Teil der Per­so­nen­sor­ge neben Auf­sicht und Auf­ent­halts­be­stim­mung ist die Erzie­hung des Kin­des. Damit ergibt sich auch hier ein natür­li­cher Über­schnei­dungs­be­reich zur Erzie­hungs­be­ra­tung nach § 28 SGB VIII. „Eine Bera­tung allein erzie­hen­der Per­so­nen nach § 18 Abs. 1 SGB VIII ist des­halb in der Erzie­hungs­be­ra­tung regel­mä­ßig mit einer Bera­tung nach § 28 ver­knüpft“ (Bun­des­kon­fe­renz für Erzie­hungs­be­ra­tung, 2009, S. 18).

2.2

17 SGB VIII: Bera­tung in Fra­gen der Part­ner­schaft, Tren­nung und Scheidung

Wesent­li­che Zie­le der Bera­tung im Leis­tungs­be­reich des § 17 Abs. 1 Nr. 3 SGB VIII und § 17 Abs. 2 SGB VIII als Reor­ga­ni­sa­ti­ons­hil­fe (Coes­ter, 2003, S. 82) die­nen der Ver­bes­se­rung der Beziehungs‑, Erziehungs‑, Hand­lungs- und Kon­flikt­kom­pe­ten­zen der Eltern zum Schutz der Kin­des­in­ter­es­sen im Eltern­kon­flikt, damit die Kon­ti­nui­tät der elter­li­chen Bezie­hun­gen des Kin­des zu Mut­ter und Vater gesi­chert wer­den kann (Mün­der, Mey­sen & Trenczek/Proksch, 2013, S. 225 und 229; Wiesner/Struck, 2015, S. 312).

Zu den Inhal­ten der Bera­tung in Tren­nungs- und Schei­dungs­si­tua­tio­nen nach § 17 Abs. 1 Nr. 3 SGB VIII und § 17 Abs. 2 SGB VIII gehören:

  • Tren­nung der Schwie­rig­kei­ten auf der Part­ner­ebe­ne von der Ver­ant­wor­tung auf der Eltern­e­be­ne um den Bezie­hungs­kon­flikt lösen zu kön­nen und im Inter­es­se der Kin­der zu koope­rie­ren (sie­he hier­zu auch Jopt, 1998, S. 290–291).
  • Sen­si­bi­li­sie­rung der Eltern für die Beach­tung und den Vor­rang der Bedürf­nis­se, Inter­es­sen und Rech­te der Kin­der vor ande­ren Bedürf­nis­sen um die wei­te­re Ent­wick­lung des Kin­des nicht zu gefährden.
  • Erhalt des Zugangs und der Bezie­hun­gen der Kin­dern zu bei­den Eltern­tei­len, ohne in Koali­ti­ons­druck zu gera­ten, um Iden­ti­fi­ka­ti­ons­mög­lich­kei­ten mit Vater und Mut­ter zu gewährleisten.
  • Kin­dern sol­len mög­lichst vie­le ihrer sie stüt­zen­den Bezie­hun­gen und soweit wie mög­lich, ihre ver­trau­te Umge­bung erhal­ten bleiben.
  • Unter­rich­tung der Eltern zur Beach­tung des wech­sel­sei­ti­gen Wohlverhaltensgebotes.
  • Ange­mes­se­ne Unter­stüt­zung des Kin­des bei der Ver­ar­bei­tung der Tren­nung der Eltern.
  • Erar­bei­tung eines gemein­sa­men Kon­zep­tes zur Sor­ge und dem Umgang der Eltern mit ihren Kin­dern (Her­bei­füh­rung einer gemein­sa­men Hal­tung bei­der Eltern gegen­über ihren Kindern).

2.3

18 SGB VIII: Bera­tung und Unter­stüt­zung bei der Aus­übung der Personensorge

Zie­le der Bera­tung gemäß § 18 SGB VIII sind Bera­tung und Unter­stüt­zung bei der Aus­übung der elter­li­chen Sor­ge und bei der Aus­übung des Umgangs nach § 1684 BGB und § 1685 BGB, d.h. der För­de­rung von Kon­tak­ten der Kin­der zu bei­den Eltern­tei­len und zu ande­ren wich­ti­gen Bezugspersonen.

Zu den Inhal­ten der Bera­tung und Unter­stüt­zung in Tren­nungs- und Schei­dungs­si­tua­tio­nen nach § 18 Abs. 1 Nr. 1 SGB VIII und § 18 Abs. 3 SGB VIII gehören:

  • Bera­tung und Unter­stüt­zung allein erzie­hen­der Eltern­tei­le bei der Aus­übung der Per­so­nen­sor­ge hin­sicht­lich Fra­gen der Kin­de­s­pfle­ge, der Kin­des­er­zie­hung, der Aus­bil­dung, der Beauf­sich­ti­gung, des Auf­ent­halts­be­stim­mungs­rechts, in Fäl­len von Kon­flik­ten mit dem ande­ren Eltern­teil (Mün­der, Mey­sen & Trenczek/Proksch, 2013, S. 250; Schell­horn, Fischer, Mann, Schell­horn & Kern/Fischer, 2017, S. 170).
  • Bera­tung und Unter­stüt­zung der umgangs­be­rech­tig­ten Per­so­nen bei dem Ver­lan­gen Aus­kunft über die per­sön­li­chen Ver­hält­nis­se des Kin­des zu erlan­gen, bei der Her­stel­lung von Umgangs­kon­tak­ten und der Aus­füh­rung gericht­li­cher oder ver­ein­bar­ter Umgangs­re­ge­lun­gen (Schell­horn, Fischer, Mann, Schell­horn & Kern/Fischer, 2017, S. 172).

3.

Bera­tungs­an­satz Klu­ge und Schmidt

Dr. Karl-Josef Klu­ge und Axel Schmidt haben einen Inter­ven­ti­ons­an­satz für die Bera­tung mit Eltern in Tren­nungs- und Schei­dungs­si­tua­tio­nen ent­wi­ckelt. Der hier vor­ge­stell­te Bera­tungs­an­satz ist auf das Sys­tem Fami­lie Mut­ter-Vater, Eltern-Kin­der und auf deren Inter­de­pen­den­zen aus­ge­rich­tet (Wiesner/Struck, 2015, S. 319). Der Bera­tungs­an­satz soll die Eltern pri­mär zum Auf­bau und Erhalt einer part­ner­schaft­li­chen Fami­li­en­be­zie­hung befä­hi­gen, sie dar­in bestär­ken und unter­stüt­zen. „Dem die­nen ins­be­son­de­re inter­dis­zi­pli­nä­re und media­tiv ange­leg­te Bera­tungs­an­ge­bo­te, die die Kon­flikt­re­ge­lungs­fä­hig­keit von Eltern und ihre Kom­mu­ni­ka­ti­ons- und Koope­ra­ti­ons­fä­hig­keit auch prä­ven­tiv för­dern und unter­stüt­zen“ (Mün­der, Mey­sen & Trenczek/Proksch, 2013, S. 225).

Die Kurs­in­hal­te umfas­sen 11 Ein­hei­ten und sind für eine Dau­er von 3 Mona­ten ange­legt. Die Grup­pen­sit­zun­gen umfas­sen unge­fähr 8 bis 10 Teil­neh­mer. Inner­halb des Kur­ses wird in der gesam­ten Grup­pe und in Klein­grup­pen gear­bei­tet. Die Grup­pen­sit­zun­gen wer­den im Ide­al­fall durch ein gemischt­ge­schlecht­li­ches Trai­ner­paar geleitet.

Aus den vor­ge­stell­ten Zie­len und Inhal­ten der Bera­tungs­leis­tung nach § 17 SGB VIII und § 18 SGB VIII lei­ten der Ver­fas­ser und Dr. Karl-Josef Klu­ge fol­gen­de Struk­tur für ihren Bera­tungs­an­satz bei Tren­nung der Eltern ab (sie­he auch Eme­ry, 2012, S. 63; Nie­sel, 2008, S. 328–334; Johns­ton & Camp­bell, 1988, S. 199).

 (1) Neu-Auf­stel­lung der Bezie­hun­gen der Eltern mit der Fokus­sie­rung auf die Bedürf­nis­se der Kin­der (Eme­ry, 2012, S. 63; Fthen­a­kis, Nie­sel & Grie­bel, 1993, S. 267–268; Johns­ton & Camp­bell, 1988, S. 199; Rohr­bau­gh, 2008, S. 196–209; Wal­per & Krey, 2013, S. 196; White­si­de, 1998, S. 13)

Wenn Kin­der vor­han­den sind ist eine bestimm­te Form der elter­li­chen Zusam­men­ar­beit der ehe­ma­li­gen Part­ner erfor­der­lich: „One of the many iro­nies of divor­ce is that, even in the midst of their paren­ting, par­ents need to find a way to work tog­e­ther for their child­ren“ (Eme­ry, 2012, S. 93). In die­sem Bereich wer­den die Eltern über die Aus­wir­kun­gen einer Tren­nung für die Eltern und für die Kin­der infor­miert. Wei­ter­hin wer­den die ent­wick­lungs­be­zo­ge­nen Bedürf­nis­se von Kin­dern dar­ge­legt und es wird den Eltern ver­mit­telt, die Bedürf­nis­se der Kin­der in den Vor­der­grund zu stellen.

Inhal­te:

– Mög­li­che Aus­wir­kun­gen einer Tren­nung für die Eltern

– Gene­rel­le ent­wick­lungs­be­zo­ge­ne Bedürf­nis­se von Kindern

– Mög­li­che Aus­wir­kun­gen von Tren­nun­gen der Eltern für Kinder

– Sen­si­bi­li­sie­rung die Bedürf­nis­se der Kin­der in den Vor­der­grund stellen

Metho­de:

4 Ein­hei­ten mit jeweils drei­stün­di­ger Dau­er. Die ein­zel­nen Kurs­ein­hei­ten wer­den im Wochen­ab­stand durchgeführt.

(2) Redu­zie­rung der Kon­flik­te auf der Paare­be­ne (Johns­ton & Camp­bell, 1988, S. 199; Rohr­bau­gh, 2008, S. 196–209)

Als Vor­aus­set­zung für die Aus­ar­bei­tung eines ein­ver­nehm­li­chen und auf Dau­er ein­zu­hal­ten­den Kon­zep­tes zur Wahr­neh­mung der elter­li­chen Sor­ge (Eltern­ver­ein­ba­rung) wird die Bera­tung hin­sicht­lich der Be- und Ver­ar­bei­tung der psy­chi­schen Kon­flikt­dy­na­mik bei Tren­nung und Schei­dung und der Tren­nungs­fol­gen bei Kin­dern und Jugend­li­chen ange­se­hen (Weber, 2009, S. 324). So kann mit höhe­rer Wahr­schein­lich­keit sicher­ge­stellt wer­den, dass Eltern kei­ne Anträ­ge zum Sor­ge- oder Umgangs­recht beim Fami­li­en­ge­richt stel­len, um zu ihrem ver­meint­li­chen Recht zu kom­men. Denn wenn Fami­li­en­ge­rich­te ent­schei­den, pro­du­zie­ren sie Sie­ger und Ver­lie­rer. Dies führt nicht in jedem Fall zu einer wirk­li­chen Befrie­dung und Sta­bi­li­sie­rung der Fami­lie. „Der „Kampf um das Kind“  und das ver­meint­li­che Recht wird mit sub­ti­le­ren und/oder grö­be­ren Mit­teln wei­ter geführt. Psy­cho­lo­gi­sche Mecha­nis­men, die von per­sön­li­cher Vul­nera­bi­li­tät, von Ent­täu­schun­gen und Ver­let­zun­gen  durch den geschie­de­nen [Anmer­kung des Ver­fas­sers: getrenn­ten] Part­ner, von einem unter­schwel­lig wei­ter wir­ken­den Schuld­prin­zip, von femi­nis­tisch und mas­ku­lin gepräg­ten Hal­tun­gen und von einem von Gesetz und öffent­li­cher Mei­nung genähr­ten Anspruch auf eine unge­stör­te Bezie­hung zum Kind bestimmt sind, kön­nen dann zum Auf­schau­keln der Kon­flik­te füh­ren“ (Weber, 2009, S. 327).

Nach der Fest­stel­lung der Kon­flik­te zwi­schen den Eltern wer­den den Eltern ins­be­son­de­re die mög­li­chen Aus­wir­kun­gen ihrer Kon­flik­te auf ihre Kin­der ver­mit­telt. Die Redu­zie­rung der Kon­flik­te der Eltern ist eine wesent­li­che Vor­aus­set­zung dafür den Koali­ti­ons­druck und die damit ver­bun­de­nen Loya­li­täts­kon­flik­te für Kin­der zu ver­rin­gern und zu ver­mei­den (Eme­ry, 2012, S. 93). Im Anschluss wer­den Stra­te­gien erar­bei­tet die Kon­flik­te zu begrenzen.

Inhal­te:

– Fest­stel­lung der Kon­flik­te zwi­schen den Eltern (Lebow, 2003, S. 183–184; Rohr­bau­gh, 2008, S. 170–172):

  • Art des Kon­flikts (z.B. gericht­lich, Ein­stel­lun­gen, persönlich)
  • Kon­flikt-Berei­che und mög­li­che Interdependenzen
  • Zeit­li­che Dimen­sio­nen (Beginn, Dauer)
  • Kon­flikt­ver­ur­sa­cher und ‑grund
  • Ver­ständ­nis des Kon­flikts aus den unter­schied­li­chen Sicht­wei­sen der Beteiligten
  • Kon­flikt-Niveau

– Mög­li­che Fol­gen von Kon­flik­ten der Eltern auf die Kinder

– Erar­bei­tung von Stra­te­gien zur Redu­zie­rung des elter­li­chen Konfliktverhaltens

Metho­de:

3 Ein­hei­ten mit jeweils drei­stün­di­ger Dau­er. Die ein­zel­nen Kurs­ein­hei­ten wer­den im Wochen­ab­stand durchgeführt.

(3) Erar­bei­tung einer Eltern­ver­ein­ba­rung (Paren­ting-Plan) (Johns­ton & Camp­bell, 1988, S. 199, Kel­ly, 2005, S. 253–254, Kli­ne Pruett & Bar­ker, 2009, S. 445–453)

Eine gemein­sa­me Eltern­ver­ein­ba­rung kann Ent­schei­dun­gen der Fami­li­en­ge­rich­te ver­hin­dern. Bei der Erar­bei­tung einer Eltern­ver­ein­ba­rung muss das wei­ter­hin bestehen­de Kon­flikt­po­ten­ti­al der Eltern beach­tet wer­den (Rohr­bau­gh, 2008, S. 173).

Inhal­te:

Eine gemein­sa­me Eltern­ver­ein­ba­rung soll­te fol­gen­de Inhal­te umfassen:

(A) Name des Kin­des und Eltern

(B) Gene­rel­le Regeln über die Hal­tung der Eltern zu ihrer Bezie­hung nach einer Trennung

– Bedürf­nis­se des Kindes

Wir ver­ein­ba­ren, dass wir die Bedürf­nis­se des Kin­des in den Mit­tel­punkt unse­rer Hand­lun­gen stellen.

– Ein­hal­tung des wech­sel­sei­ti­gen Wohlverhaltensgebots

Wir ver­ein­ba­ren, dass wir wech­sel­sei­tig Respekt vor der Eigen­stän­dig­keit und Auto­no­mie des ande­ren Eltern­teils haben.

Wir ver­ein­ba­ren, dass wir das Kind aus sämt­li­chen Dis­kus­sio­nen der elter­li­chen Tren­nung heraushalten.

Wir ver­ein­ba­ren, dass wir alles unter­las­sen was den ande­ren Eltern­teil beim Kind nega­ti­ve erschei­nen las­sen könnte.

– Koope­ra­ti­on

Wir ver­ein­ba­ren, dass wir hin­sicht­lich aller kin­des­be­zo­ge­nen The­men koope­rie­ren wer­den und zu gemein­sa­men Lösun­gen kom­men wollen.

© Gesetz­li­che Sorge

– Ver­ein­ba­rung des gemein­sa­mes Sorgerecht

– Ver­ein­ba­rung zur Über­tra­gung von Teil­be­rei­chen der elter­li­chen Sor­ge auf ein Elternteil

– Ver­ein­ba­rung zur allei­ni­ge Sor­ge eines Elternteils

(D) Zeit des Kin­des mit sei­nen Eltern (Bau­ser­mann, 2002, S. 97–99; Kel­ly, 2007, S. 46–47)

– Wech­sel­mo­dell

Das Kind lebt über­wie­gend z.B. im wöchent­li­chen Wech­sel bei Eltern­teil A und Eltern­teil B.

– Resi­denz­mo­dell

Das Kind lebt haupt­säch­lich bei Eltern­teil A und ver­bringt z.B. alle zwei Wochen­en­den Zeit mit dem Eltern­teil B. Hier kön­nen zusätz­li­che Auf­ent­hal­te bei Eltern­teil B ver­ein­bart werden.

– Rege­lun­gen über sons­ti­ge Ter­mi­ne und die Teil­nah­me an Akti­vi­tä­ten des Kindes

  •  Ferienregelung
  •  Feiertage
  •  Geburtstage
  •  Ande­re beson­de­re Tage
  •  Kon­takt­for­men über Tele­fon, Sky­pe, email usw.
  •  Kon­tak­te mit ande­ren Per­so­nen (z.B. Groß­el­tern, Familienmitgliedern)
  •  Teil­nah­me an Ter­mi­nen des Kin­des (z.B. Schul­ver­an­stal­tun­gen, Sport­ak­ti­vi­tä­ten, Einladungen)

(E) Aus­tausch von Infor­ma­tio­nen über das Kind (Lebow, 2003, S. 188)

Wir ver­ein­ba­ren, dass wir uns jeder­zeit über wich­ti­ge Din­ge des Kin­des aus­tau­schen können.

Wir ver­ein­ba­ren, dass wir ver­läss­li­che Kom­mu­ni­ka­ti­ons­struk­tu­ren hin­sicht­lich Ange­le­gen­hei­ten des Kin­des und der Zusam­men­ar­beit hin­sicht­lich des Kin­des in zwei getrenn­ten Haus­hal­ten eta­blie­ren und aufrechterhalten.

Metho­de:

4 Ein­hei­ten mit jeweils drei­stün­di­ger Dau­er. Die ein­zel­nen Kurs­ein­hei­ten wer­den im Wochen­ab­stand durchgeführt.

4.

Lite­ra­tur

Ama­to, P. R. (2000). The con­se­quen­ces of divor­ce for adults and child­ren. Jour­nal of Mar­ria­ge and the Fami­ly, 62, 1269–1287.

Bacon, B. L. & McKen­zie, B. (2004). Parent edu­ca­ti­on after sepa­ra­ti­on / divor­ce: Impact of the Level of Paren­tal Con­flict on Out­co­mes. Fami­ly Court Review, 42, 85–97.

Bau­ser­mann, R. (2002). Child adjus­t­ment in joint-cus­to­dy ver­sus sole-cus­to­dy arran­ge­ments: A meta-ana­ly­tic review. Jour­nal of Fami­ly Psy­cho­lo­gy, 16, 91–102.

Bun­des­kon­fe­renz für Erzie­hungs­be­ra­tung. (2009). Rechts­grund­la­gen der Bera­tung. Fürth: Eigenverlag.

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5.

Kon­takt

Univ.-Prof. Dr. Karl-Josef Kluge

(Uni­ver­si­tät zu Köln, Human­wis­sen­schaft­li­che Fakul­tät, Depart­ment für Heil­päd­ago­gik und Reha­bi­li­ta­ti­on, Fach­ge­biet: Erzie­hungs­hil­fe und sozi­al-emo­tio­na­le Förderung)

Tele­fon:

02162 24606

E‑Mail:

klugekajo@yahoo.de und kluge@euroges.de

Dr. Axel Schmidt

(Diplom Betriebs­wirt, Diplom Psychologe)

Tele­fon:

0171 307 39 48

E‑Mail:

axel.schmidt@familiengutachten.eu

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